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| Hemmoor – Tauchgang in die Vergangenheit |
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| Geschrieben von: Chris | |||
| Montag, den 20. April 2009 um 15:49 Uhr | |||
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Hier im Norden Deutschlands wurde von 1866 bis 1983 aus der geförderten Kreide Zement hergestellt. Die Geräte wie Loren, Feldbahnen, Schienen-Biegemaschinen, Einseitenkipper, alte Fotos und Schriftstücke stehen hier den Besuchern in einem großen Freilichtmuseums zur Verfügung. In Hemmoor stieß man 1862 auf ein mächtiges Kreidevorkommen, und daneben fand man eine ergiebige Schicht Ton.
Bereits vier Jahre später wurde hier die erste Anlage zur Zementherstellung errichtet. Die Portland Cementfabrik Hemmoor kaufte das Werk 1882. Zu dieser Zeit war schwerste Handarbeit nötig, um den Rohstoff zu gewinnen: Innerhalb von 24 Stunden mussten aus der Grube auf schiefen Ebenen 3000 Loren mit je einem halben Kubikmeter Inhalt heraufgefördert werden. Sie wurden dann in 17 Waschmühlen zu einem sehr dünnen Schlamm aufbereitet.
{jprvideo id=85} In Rohren wurde dieser Dünnschlamm in die so genannten Schlammlöcher geleitet. Sobald dieser Schlamm streichfähig getrocknet war, wurde er mit der Hand abgestochen und auf Loren ins Werk zu den so genannten Knudelbäckern gefahren, die ihn zu großen Klumpen formten und dann auf Gerüsten im Freien trockneten. Die Knudeln kamen anschließend zum Brand in die Schachtöfen. Später wurde die schwere Handarbeit durch den Einsatz von Eimerbaggern abgelöst, die alten Brennöfen durch Drehöfen ersetzt.
Ab 1895 wurde zwischen der Fabrik in Hemmoor, dem Hafen Schwarzhütten an der Oste und der Bahnstation Warstade-Hemmoor eine fabrikeigene Kleinbahn betrieben, die den Transport zu Schiffen oder zur Anschlussstelle an das reguläre Schienennetz gewährleistete. Von dort gingen Transporte in die ganze Welt.
Die Rohstoffreserven gingen in den 70er Jahren zur Neige, die Kreidegrube war bereits 100 Meter tief. Hemmoor bestand daraufhin nur noch als Mahlwerk, die Kreidegrube wurde mit Schutt der abgerissenen Gebäude und dann mit Wasser gefüllt. Geräte und Dokumente können heute im Freilichtmuseum in Hemmor besichtigt werden.
Der Kreidesee ist zu einem beliebten Ausflugsziel für Taucher geworden. Einstieg 1: Die Pflasterstraße führt direkt zum Rüttler, bis in 32 Meter Tiefe und geht dann als Sandweg weiter bis zur tiefsten Stelle des Sees führt. Die Straße erkennt man noch sehr gut am Bordstein. Die Pflastersteine sind stellenweise mit einer dünnen Sedimentschicht bedeckt. An zwei Stellen ist der Bordstein von damaligen Erdrutschen verdeckt, man braucht jedoch nur geradeaus zu tauchen und stößt dann wieder auf den Bordstein, da die Straße bis zum Rüttler gerade verläuft. Im Bereich zwischen der Straße und dem Ufer stehen viele kleine Bäume, die leider immer mehr Äste durch unvorsichtige Flossenschläge verloren haben. Nach der Fischlaichzeit halten sich hier immer gerne Schwärme von tausenden kleinen Barschen auf. Auf der anderen Seite der Straße stößt man auf alte Schwellen und Verankerungen auf denen damals die Förderbänder standen. Kleine Schächte in denen Absperrventile für die Wasserpumpleitung vorhanden sind, findet man ebenfalls entlang des Bordsteines. In einem Abstand von drei bis zehn Metern verläuft parallel zur Straße ein Steilhang, der in einer Tiefe von 45 bis 55 Metern ausläuft. Die Straße eignet sich sehr gut zur Anfängerausbildung, und deshalb stehen Ausbildungsplattformen neben der Straße auf sechs und zwölf Meter Tiefe. An den Wochenenden herrscht hier reger Schulungsbetrieb, und die Sicht wird oftmals erst hinter der ersten Plattform besser. Dieser Tauchplatz befindet sich an der Südseite und liegt bis auf morgens und abends immer im Schatten.
Einstieg 2:
Hier taucht man durch den Wald und erreicht dann wieder die Straße. Einstieg 3:
In 32 Metern Tiefe befindet sich der Rüttler. Es handelt sich um ein 12 Meter hohes Betongebäude mit angrenzender Brücke und unterirdischen Gängen. Im Rüttler wurde damals die Kreide von Feuersteinen getrennt, die von drei großen Tagebau-Lkw herangeschafft wurde. Durch die unterirdischen Gänge wurde die Kreide entlang der Straße auf einem Förderband zur Fabrik befördert. In einem Gang hatte der Meister seine Bude, in der noch heute der Ofen und eine Pritsche stehen. Im hinteren Bereich stehen noch Werkzeugbänke, Schränke und auf dem Boden liegen Ersatzteile verstreut. Die Gänge sind 1996 von einer Tauchfirma verschlossen worden. Innerhalb des Rüttlers haben sich heute zwei große Luftblasen gebildet, in denen man sich unterhalten kann. Es dauert in dieser Tiefe jedoch ziemlich lange, das Jacket per Inflator zu füllen, sodass es eventuell zur Eisbildung im Lungenautomat kommen kann. Wer sich unterhalten möchte, muss sehr leise und langsam sprechen, da es sehr stark hallt.
Unterhalb des Trichters befand sich früher der eigentliche Rüttler, der allerdings abmontiert wurde, bevor die Pumpen abgestellt wurden. Direkt am Steilhang vor dem Rüttler befinden sich ab 43 Meter Wassertiefe große Holztreppen die früher zu der in 120 Meter Tiefe gelegenen Pumpstation führten.
Die beste Tauchzeit ist in der Regel früh morgens, da die Sicht meistens noch nicht eingetrübt ist. Morgens und Abends scheint die Sonne zum Rüttler und erhellt diesen Bereich ganz erheblich, zur Mittagszeit ist es gerade im Winter hier immer schattig, da die Sonne nicht mehr so hoch steht.
Einstieg 4:
Am Einstieg 4 liegt ein ca. acht Meter langes Sportboot mit Kabine, welches extra für Tauchanfänger auf ca. 16 Meter versenkt worden ist. Das Wrack ist über ein Bojenseil zu erreichen und ziemlich leicht betauchbar. Es liegt ca. 20 Meter neben dem alten Wohnwagen. Bei dem Wohnwagen handelt es sich um den ehemaligen Wachwagen der DLRG, der bei starken Herbststürmen in den Kreidesee kippte. Anfangs schwamm der Wohnwagen für kurze Zeit an der Oberfläche, da er größtenteils aus Holz besteht. Nachdem eine Bergung zu aufwendig und kostspielig war, versank der Wohnwagen dann in 25 Meter Wassertiefe. Die komplette Ausstattung der Wachmannschaft ging damals auch verloren.
In einer Nacht- und Nebelaktion hat ein Taucher versucht, drei Wohnwagen zu versenken. Einer davon wurde so stark beschädigt, dass nur die Bodenplatte versunken ist. Die Styroporwände konnten noch von der Wasseroberfläche geborgen werden. Der zweite Wohnwagen ist auf 38 Meter versunken und für erfahrene Taucher gut betauchbar, allerdings ist er nicht mit einer Boje gekennzeichnet. Er liegt etwa 30 Meter nördlich vom Wohnwagen 1.
Der dritte Wohnwagen konnte zum Glück komplett geborgen werden, da er aufgrund der Styroporisolierung nicht unterging.
Steilhang Nordufer:
Am Nordufer befindet sich ein Steilhang, der von 1 - 35 Meter nahezu senkrecht verläuft. Ab 35 Meter geht er in eine steil Schräge über und endet dann in ca. 55 Meter Tiefe. Hier befinden sich vereinzelt kleine Büsche und einige Kleinigkeiten, die wahrscheinlich schon fast 100 Jahre dort liegen. Unterhalb der Spundwand befindet sich mittlerweile auch etwas Müll aus heutiger Zeit, der einfach über den Zaun geworfen wurde. Im Steilhang selber befinden sich einige kleine "Höhlen", nicht größer als zwei bis drei Kubikmeter. Man sollte den Kopf nicht zu weit hineinstecken, da sofort Gestein herunterfällt, wenn die Blasen aufsteigen. In einigen ganz kleinen Höhlen haben armdicke Aale Unterschlupf gefunden. Stellenweise befinden sich am Steilhang einige Überhänge, die ganz imposant wirken, wenn man einen Aufstieg direkt an der Steilwand vornimmt. Der Tauchplatz befindet sich am Nordufer und liegt den ganzen Tag in der Sonne. Wegen der großen Tiefe sind Anfänger hier am falschen Platz. Da man hier nie den Grund unter sich sieht, hat dieser Tauchplatz auch für Fortgeschrittene etwas Besonderes. ![]()
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