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Warum noch extra Zahlen...
Zeitreise in die Vergangenheit: Die Thistlegorm PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Chris   
Sonntag, den 27. Dezember 2009 um 21:20 Uhr
Die Thistlegorm ist auch von außen ein Taucher-Highlight./Foto: Christiane Flechtner  Es ist still hier unten. So still, dass man den Trubel oben an der Wasseroberfläche schnell vergisst. Nur die eigene Atemluft ist zu hören, die beim Einatmen durch die erste und zweite Stufe strömt. Dann folgt das leise Blubbern beim Ausatmen – und schon ist es wieder still. Es geht hinab von der Oberfläche – dem dunklen Koloss entgegen, der hier seit mehr als 60 Jahren ruht. Seit dieser Zeit hat er sich nicht mehr von der Stelle bewegt. Die Rede ist von der Thistlegorm, einem Frachtschiff, das erst im Juni 1940 vom Stapel gelassen wurde und nur ein Jahr später – nach nur vier Fahrten -  unterging. Ein wahrer Riese, mit mehr als 126 Metern Länge und fast 18 Metern Breite, war die Thistlegorm wohl schon beim Ein- und Auslaufen in die Häfen der USA, Südamerika oder der Bahamas ein toller Anblick. Nun liegt es vor der Küste der Sinai-Halbinsel auf Grund und hat von seiner Faszination nichts eingebüßt. Im Gegenteil: Die Thistlegorm ist heute der unangefochtene Star sämtlicher Wracks im Roten Meer.

 

Wer sich auch einen Tauchgang zur Thistlegorm begibt, unternimmt wahrlich eine Reise in die Vergangenheit. In den Frachträumen befinden sich mehrere BSA WD M 20 Motorräder  wie im Dornröschenschlaf dicht gedrängt nebeneinander.
Ein Stückchen weiter „schlummern“ eine Reihe von AEC Matador 4 X 4 Zugmaschinen. Weiter hinten „warten“ unzählige Paare von Gummistiefeln seit Jahrzehnten darauf, dass man sie endlich anzieht. Doch sie bleiben an Ort uns Stelle – niemand wird sie jemals wieder anziehen. Auch die beiden Stanier 8F-2-8-0 Lokomotiven werden nie wieder Dampf ablassen, und der Panzer an Deck nie wieder durch die Gegend fahren. 

 
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Damit hatte niemand an Bord gerechnet, als das Frachtschiff im Juni 1941 von Glasgow aus in See stach. Voll beladen mit Lkw verschiedener Bauarten, Panzern, Motorrädern, Geschützen, Anhängern, Munition, Flugzeugteilen, Landminen, Radios, Ersatzteilen, Gummistiefeln und Geschützen, sollte es Nachschubgüter für die in Nordafrika kämpfende britische 8. Armee und die bei Tobruk eingesetzten Truppen bringen. Kapitän William Ellis und seine neunköpfige Mannschaft der Royl Navy – die Thistlegorm war als bewaffnetes Frachtschiff deklariert – verließen am 2. Juni den Glasgower Hafen in Richtung Alexandria und dann um das Kap der Guten Hoffnung Südafrikas herum. Dieser lange Umweg in den Norden Afrikas war notwendig, da Deutschland und Italien zu dieser Zeit des Zweiten Weltkriegs fast den gesamten nördlichen Mittelmeerraum beherrschten.

Weiter ging es an der Ostküste Afrikas entlang hinein ins Rote Meer bis zum Golf von Suez. Volle zwei Wochen musste die Thistlegorm mit ihrer so sehnlichst erwarteten Fracht warten, da zwei Schiffe kurz zuvor in der Kanaleinfahrt des Suez-Kanals kollidiert waren und den Weg versperrten.

In den verschiedenen Frachträumen gibt es vieles zu entdecken./Foto: Christiane Flechtner Die deutsche Abwehr hatte unterdessen erfahren, dass ein großer Truppentransporter mit 1200 britischen Soldaten den Suezkanal passieren sollte. Und so machte sich das 26. Kampfgeschwader der deutschen Luftwaffe auf, größere britische Marineeinheiten aufzuspüren und gegebenenfalls anzugreifen. Das wurde der Thistlegorm zum Verhängnis: Am 6. Oktober griff ein deutscher He 111 Bomber um 1.30 Uhr das Frachtschiff mit zwei Bomben an. Sie schlugen im Laderaum 5 ein und brachten Munition zur Explosion. Das Achterdeck wurde zerfetzt und zur Mitte hin aufgerollt wie eine Blechdose. Der große Koloss sank.

Bis in die 50er Jahre blieb es unentdeckt, bis Jacques Cousteau es untersuchte. Dann dauerte es weitere 40 Jahre, bis Taucher es zufällig wiederfanden. Heute ist es eine der Hauptattraktionen für Sporttaucher.

Auch Lokomotiven und Eisenbahnmaterialien gehörten zur Fracht. /Foto: Christiane Flechtner Es ist leicht zu betauchen und es gibt viel zu sehen. Wer nicht hineintauchen möchte, hat auch außen viel Beeindruckendes zu ertauchen: Angefangen beim Bug, der majestätisch aufragt, und der großen Schraube und dem Maschinengewehr, das sich auf einer Plattform über dem Heck der Thistlegorm befindet, bis zu den Panzern, Munition und den beiden Lokomotiv-Tendern. Wer ins Wrack hineintaucht, dem erschließt sich eine vergangene Welt – mit nagelneuen Motorrädern, die heute längst historische Liebhaberstücke wären, mit Bedford-Lkw und gepanzerten Fahrzeugen, die als Funkwagen auf Rolls Royce-Fahrgestellen gebaut wurden. Zwischendurch trifft man auf die jetzigen Bewohner des Wracks: Rotfeuerfische, Glasfische und Muränen haben die Laderäume als Unterschlupf für sich entdeckt.

Ein Tauchgang reicht bei Weitem nicht aus, um sich überhaupt einen eingermaßen ausreichenden Überblick zu verschaffen. Drei Tauchgänge sind schon gut, aber dennoch wird der Taucher das Gefühl haben, noch einmal, zwei- oder gar dreimal hinunter zu „müssen“.

Das Wrack ist gut zu erreichen – es liegt nur in maximal 30 Metern Tiefe. Mit heftiger Strömung ist jedoch besonders nachmittags zu rechnen.Dive-NEWS.net

 

 
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